1. Sie beschreiben Ihre Arbeitsweise als lösungsorientiert und individuell auf den Menschen zugeschnitten – was war der bedeutendste Wendepunkt in Ihrem eigenen Leben, der Sie dazu bewegt hat, Klarheit und Mut zum zentralen Leitmotiv Ihrer Coaching-Arbeit zu machen?
Vor etwa fünf Jahren arbeitete ich in einem IT-KMU, wo der Mensch oft an zweiter Stelle stand. Ich spürte den Wunsch, direkt mit Menschen zu arbeiten, was mich dazu bewegte, meinen Job zu kündigen – ein Schritt, der viel Mut erforderte. Ich vertraute auf mich selbst und absolvierte eine Coaching-Ausbildung zum Integral Coach mit Spezialisierung auf Resilienz. Seit zweieinhalb Jahren bin ich nun vollständig als Coach tätig, und meine Arbeit trägt Früchte.



2. Besonders spannend finden wir Ihre Outdoor-Coachings als Gegenpol zur heutigen reizüberfluteten Welt – wie verändert der bewusste Perspektivwechsel in die Natur Ihrer Erfahrung nach die Selbsterkenntnis Ihrer Klientinnen und Klienten?
Die Natur bietet einen Raum, der Menschen aus ihrem Alltag herausnimmt. Gerade Führungskräfte, mit denen ich häufig arbeite, finden in der Natur Abstand von ihren täglichen Gedanken und können im Hier und Jetzt ankommen. Die natürliche Umgebung fördert kreative Prozesse und symbolische Vorstellungen, was die Selbstreflexion unterstützt. Ein besonderes Angebot ist mein Coaching unter Wasser. Im November absolvierte ich in Frankreich eine Ausbildung, bei der Menschen während eines Tauchgangs lernen, mit Stress umzugehen. Diese Methode, bekannt als Bathysmed®, ist evidenzbasiert und fördert nachweislich das Wohlbefinden. Im deutschsprachigen Raum bin ich derzeit der einzige Coach mit dieser Ausbildung. Zudem bilde ich für das Coaching Institut Living Sense angehende Coaches aus, indem ich sie unter anderem auch für sechs Tage in die Natur begleite.

3. Wenn Menschen mit Ängsten, Zweifeln oder in einer Lebenskrise zu Ihnen kommen: Welche innere Haltung fördern Sie in Ihren Coachings, damit nachhaltige Veränderungen nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen stattfinden können?
Ich fördere die Haltung, dass alle Ressourcen für Veränderung bereits in den Menschen selbst vorhanden sind. Statt Ratschläge zu geben, nutze ich Fragetechniken und geeignete Tools, oft im Naturraum, um die intrinsische Motivation meiner Klienten zu aktivieren. Ein Beispiel ist die Arbeit mit inneren Bildern: Klienten stellen sich vor, wo sie in zwei Jahren stehen möchten, beschreiben dieses Bild detailliert und verankern es emotional. Diese Imagination führt zu einer aufrechteren Lebenshaltung und einer ganzheitlichen Veränderung.




4. Viele Menschen haben Zweifel, zum Coach zu gehen. Was möchten Sie diesen Menschen mit auf den Weg geben?
Es ist wichtig zu erkennen, dass Coaching nicht nur in Krisenzeiten hilfreich ist. Wie man bei einem gebrochenen Arm sofort zum Arzt geht, sollte man auch bei emotionalen Herausforderungen nicht zögern, Unterstützung zu suchen. Coaching kann auch präventiv wirken und zur persönlichen Weiterentwicklung beitragen. In unserer Gesellschaft wird über Ängste und Selbstzweifel noch nicht offen genug gesprochen. Ein Umdenken wäre wünschenswert, denn rechtzeitig zum Coach zu gehen, kann helfen, Stressspiralen zu durchbrechen und achtsamer mit sich selbst umzugehen.

